K O N Z E P T I O N


1. ALLGEMEINER TEIL

1.1 Leitgedanken
 
Wir bieten Kindern und Jugendlichen mit einem auffälligen intra-psychischen bzw. psycho-sozialen Hintergrund ein vom ländlichen Milieu unterstütztes erlebnispädagogisches und therapeutisches Umfeld, das ein psychisches Nachreifen und eine vorübergehende Distanzierung zur Herkunftsfamilie mit dem Ziel der Neugestaltung von konstruktiven Eltern-Kind-Beziehungen ermöglicht. Eine einrichtungsinterne Schule garantiert eine individuelle Förderung, die Versäumtes aufholt. Die von Fachkräften angeleitete und miterlebte an Natur, Bauernhof, Tierhaltung  und Jahresablauf orientierte Tagesstruktur (Motto: Alltag als Übung) sowie die professionell begleitete, individuelle Auseinandersetzung in einer kleinen Gruppe der Gleichaltrigen zum Erwerb sozialer Kompetenz (Motto: Reifung durch Begegnung) hilft den aus dem Gleichgewicht geratenen Jugendlichen wieder in ihr altersadäquates ganzheitliches Erleben hineinzuwachsen.

1.2 Ansatz / Methode
 
1.2.1 Methodische Grundlagen

Die methodische Grundlage bildet eine ganzheitliche, individualzentrierte Pädagogik, die vom systemischen Ansatz unterstützt und vom anthroposophischen Menschenbild geleitet wird. Die gezielte Einbindung der Jugendlichen in einen in alle Lebensbereiche greifenden Sinnzusammenhang zwischen Schule, den erlebnispädagogisch orientierten Gruppen, den lebenspraktischen Tätigkeiten und dem Wohnen auf dem Bauernhof, ist der Kern des Betreuungskonzeptes. Durch Zuweisung überschaubarer aber gestaltbarer Verantwortungsbereiche („Ämter“) kann trotz vorliegender Verhaltensauffälligkeiten eine Verhaltensänderung in Richtung Nachreifung,Verselbständigung und damit Wiedereingliederung erreicht werden. Essenziell ist dabei die Förderung der Initiativkraft, die in ihrem sinnstiftenden Stellenwert aus diesen Verantwortungsbereichen heraus gefordert wird.

Die pädagogischen und therapeutischen Methoden beinhalten im Einzelnen:
• Tagesstrukturierung
• Förderung individueller Stärken
• Grenzsetzung auf der Grundlage einer gewachsenen
   professionellen Beziehung
• Bezugsmitarbeitersystem
• Gruppenarbeit (insbesondere der Abendabschluß
   zur Bereinigung von Konflikten)
• Elternarbeit
• Systemische Einzel- und Familientherapie
• Kunsttherapie
• Sprachgestaltung
• schulische Förderung
• Erlebnispädagogische Gruppen
  mit den Zielen der Selbstwertstärkung und der
  konstruktiven Gruppenprozeß- und  Ressourcenförderung:
 „Nichts ist erfolgreicher als der Erfolg“: Erlebnispädagogik schafft
  Lebensfreude durch spielerische Aktivität.

1.2.2 Die Gruppen im Einzelnen

Feste Gruppen:
Klettern
Arbeit am und mit dem Pferd, Reiten
Therapeutisches Schwimmen
Spiel-Spaß-Sportgruppe
Theatergruppe/ Sprachgestaltung
Chor
Abendabschlußgruppe  

Projektgruppen:
Mädchengruppe
Ski-/Snowboardgruppe
Fußball
Stangenball
„Coolness-training“
Erlebnistag am Wochenende für die einzelnen Höfe
(Ziel: die Jugendlichen eines Hofes sollen als Lebensgemeinschaft zusammen wachsen)
Feriengruppen:
Indianerlager in der letzten Sommerferienwoche
Zeltlager am Lago d`Orta

Feste:
Jahreszeitenfeste
Geburtstage der Jugendlichen
Feste zu denen Eltern eingeladen werden: Sommer- und Weihnachtsfest

1.2.3  Kommunikationsstruktur

Die multiprofessionellen Teams arbeiten in einer von gegenseitigem Vertrauen geprägten Atmosphäre und treffen sich regelmäßig zu team-internen, team-übergreifenden und supervisorischen Konferenzen.
Einmal pro Woche:
Das Hofteam (Organisation, Kinder- und Jugendlichenbesprechung, Supervision);
Die Erziehungsleitung (Treffen der Heim- und Hofleitungen, Therapeuten);
„Mittwochsteam“: Lehrer und Erzieher
Alle 6-8 Wochen: Leitbild für alle
Alle 4 Wochen: Vorstand, Heimleitung, Geschäftsführung und Verwaltung

1.3 Zielgruppen

Die Höfe am Belchen sind eine überregionale, stationäre Jugendhilfeeinrichtung auf der Grundlage des Kinder- und Jugendhilfegesetzes: § 27 KJHG in Verbindung mit § 34,  § 35a und §  41. Aufnahme finden weibliche und männliche Kinder und Jugendliche ab 10 Jahren und junge Erwachsene.
Ausschluß: Abhängigkeit von psychotropen Substanzen; extreme Dissozialität; akute Psychosen; komplexe zentrale Behinderungen; akute Selbst- oder Fremdgefährdung.

1.4 Schule

Schulabschlüsse: 
Haupt- und Realschulabschluß
Wir haben eine Ganztagesschule mit kleinen Klassen (Schnitt: 5 -7 Jugendliche) Nach dem Vormittagsunterricht betreuen die Lehrer/innen
mit pädagogischen Mitarbeitern das Mittagessen bis 14.00 Uhr und  am Nachmittag von 15.00 - 16.00 Uhr die Hausaufgaben; je nach Bedarf ist von 16.00 - 17.00 Uhr Einzel- oder Kleinstgruppen-Förderunterricht.
Für Jugendliche, die den Unterricht anhaltend stören bzw. ihm nur zeitweise folgen können, steht vormittags eine Sozialpädagogin als „Time-out“-Leiterin zur Verfügung. 
Bei Unbeschulbarkeit bzw. zur Heranführung an die Schuldisziplin bieten wir eine „Naturschule“, d.h. Mithilfe im Haus, Garten und beim Landwirt. Die im Deutschunterricht teilweise integrierte Sprachgestaltung  hilft Jugendlichen mit Sprach- und Präsentationsschwierigkeiten, diese Hürden im therapeutischen Rahmen zu überwinden.

1.5 Ziele

werden durch das Hilfeplangespräch festgelegt.

-  Soziale Kompetenz
-  Konflikt- und Dialogfähigkeit
-  Stärkung der Persönlichkeit, des Selbstbewußtseins
-  Aufbau von Vertrauen, Abbau von Ängsten und Aggressionen
-  Im Falle chronischer psychischer Erkrankung:
   Krankheitsverarbeitung
-  Aktivieren von Ressourcen, Ausbau von Fähigkeiten
-  Identitätsfindung
-  Entweder Rückführung in die Familie oder Verselbständigung
-  Schulabschluß (Hauptschulabschluß, Mittlere Reife)

1.6 Mitarbeiterfortbildung und Training

- Kinder und Jugendpsychiatrie, Fallsupervision: Dr. Keutler
- Systemische Beratung / Therapie: Ptz Institut Cormann
- Entwicklungspsychologie: Christine und Volker Joedecke
- Coaching / Teambegleitung: Christine und Volker Joedecke, 
  Georg Dold- Jacobi
- Erlebnispädagogik: Kurse in Hippotherapie, Klettern

1.7 Kooperationen

Kinder- und Jugendpsychiatrie Lörrach, Dr. Keutler
Dr. Steinfurt, Todtnau, Psychotherapie, Neurologie, Allgemeinmedizin
Verschiedene Haus- und Kinderärzte der Umgebung.
Einrichtung Wiese in Freiburg
(Bei Bedarf: Überleitung in Betreutes Wohnen)
PTZ Institut Cormann, Lindau
(Fortbildung in Systemischer Beratung / Therapie)
„Coolness Training“

2. DIE VIER HÖFE

2.1 Der Ebereschenhof, der „Reiterhof“
Talstraße 11, 79692 Kleines Wiesental - Neuenweg

Platzzahl:  8 Plätze
Zielgruppe: Kinder ab 10 Jahren, jüngere Jugendliche, Jugendliche mit emotionalem Nachreifungsbedarf
Personal:
4 Vollzeitstellen pädagogische Fachmitarbeiter
1 Lehrkraft
1 Auszubildender zum Jugend- und Heimerzieher

Räumliche Ausstattung:
Bauernhof mit 8 Einzelzimmern, Wohnzimmer, Eßzimmer, Küche, Kleine Werkstatt,  großer Schul- und Gruppenraum

Landwirtschaft:
2 Isländer Ponys (Zwei weitere in Planung), neuer Reitplatz, Pferdekoppel, Offenstall
Schafherde (etwa 20 Schafe), Ziegen
Hühner und Katzen
Gemüsegarten
 

2.2 Der Dachshof, der „Bauernhof“
Untere Belchenhöfe 3, 79692 Kleines Wiesental – Neuenweg

Platzzahl: 10 Plätze
Zielgruppe:  Jugendliche ab 12 Jahren
Personal:
4 Vollzeitstellen pädagogische Fachmitarbeiter
2 Lehrkräfte
1 Auszubildender zum Jugend- und Heimerzieher
Räumliche Ausstattung:
Bauernhof mit 10 Einzelzimmern, Jungen und Mädchen nach Stockwerken getrennt, mehrere Gemeinschaftsräume, Schulräume                                                                                
Landwirtschaft:
4 Kühe mit je einem Kalb,
Schweine,
Ziegen und Zwergziegen
Hühner und Katzen
Gemüsegarten

 

 2.3 Der Fichtenhof: „Kunst- und Schulhof“
 Am Berg 5, 79692 Kleines Wiesental – Neuenweg

Platzzahl: 6 Plätze
Zielgruppe: Jugendliche ab 14 Jahren, die sich auf einen Haupt- bzw. Realschulabschluß vorbereiten und auf dem Weg zur Verselbständigung sind.
Personal:
3 Vollzeitstellen pädagogische Fachmitarbeiter
1 Lehrkraft

Räumliche Ausstattung:
Bauernhof, ohne Stall (wurde zur Werkstatt umgebaut)
5 Einzel- 1 Doppelzimmer, Gemeinschaftsräume, Werkstatt

Landwirtschaft:
Großer Gemüsegarten
Feuerholzarbeit
Katzen

 

2.4 Der Wehrlehof – „Familienorientierte Kleingruppe“
Obere Belchenhöfe,  4, 79692 Kleines Wiesental – Neuenweg

Platzzahl: 4 Plätze
Zielgruppe: Kinder und Jugendliche mit starker Verhaltensauffälligkeit
Personal:
2 Vollzeitstellen pädagogische Fachmitarbeiter

Räumliche Ausstattung:
Bauernhof und Einfamilienhaus
2 Doppelzimmer, eine Einzelzimmermöglichkeit

Landwirtschaft:
2 Kühe
Schweine
Hühner und Katzen
Garten

2.5 Hofübergreifende Punkte:
Zimmerzuweisung
Es gibt Einzel- bzw. Zweibettzimmer, die je nach Individualität des Jugendlichen vergeben werden.
Prinzipielle Tages- und Wochenstruktur:
Informationen hierzu auf unserer Seite "Tagesstruktur"

Von größter Wichtigkeit ist die tägliche Abendgruppe, in der das Verhalten während des Tages und damit die Gruppendynamik reflektiert wird; insbesondere wird das „Konfliktmanagement“ geübt; Auch ein „Tokensystem“ und Verstärkerpläne werden mit Einschränkung angewandt.
Die Teams der einzelnen Höfe sind miteinander vernetzt, kennen die spezifischen Besonderheiten des Hofes und stehen im Krankheitsfall als Aushilfen zur Verfügung.